Warum Klang eine Folge und niemals der Ausgangspunkt ist
Viele Menschen beginnen mit einem antrainierten Tonfall, weil sie glauben, ein Sprecher müsse auf eine bestimmte Weise sprechen. Sie legen einen tiefen Bass für einen Unternehmensfilm auf oder wählen einen übertrieben freundlichen Ton für ein Anleitungsvideo. Das Ergebnis klingt wie eine glänzende Schachtel, in der nichts steckt.
Klang entsteht von selbst, wenn Sie verstehen, was Sie lesen. Wenn Sie einen Satz aussprechen, dessen Dringlichkeit Sie spüren, passt sich Ihre Atmung an, Ihre Intonation ändert sich, und Ihre Stimme wählt automatisch die richtige Spannung. Wenn Sie versuchen, zuerst einen Klang zu erzeugen, agieren Sie von außen. Sie beschäftigen sich dann damit, wie Sie wirken, anstatt damit, was Sie erzählen.
Worauf Sie bei einer gründlichen Textanalyse achten sollten
Ein professioneller Sprecher liest ein Skript niemals einfach vom Blatt. Sie zerlegen einen Text, wie ein Drehbuchautor eine Szene zerlegt. Wer sofort mit dem Sprechen beginnt, landet unweigerlich in Monotonie.
- Bestimmen Sie den Zweck des Textes: Möchte der Auftraggeber informieren, beruhigen, zum Handeln anregen oder einfach eine Anweisung geben?
- Streichen Sie die Nebensächlichkeiten in Ihrem Kopf und konzentrieren Sie sich auf die tragenden Elemente der Geschichte.
- Markieren Sie die Angelpunkte: Wo ändert sich der Ton, wo liegt der Kontrast und welches ist das wichtigste Wort in jedem Satz?
Als Regie-Tipp gebe ich stets mit: Suchen Sie den Kernsatz. Jedes Skript, egal wie kurz oder geschäftlich, hat einen einzigen Satz, um den sich alles dreht. Finden Sie diesen Satz, bevor Sie den Aufnahme-Knopf drücken. Wenn dieser Satz steht, fügt sich der Rest der Aufnahme oft von selbst ein.