Zuerst den Text ohne Mikrofon verstehen
Eine gute Vorbereitung beginnt immer auf Papier oder auf Ihrem Bildschirm, fernab des Aufnahmeprogramms. Lesen Sie das Skript zuerst vollständig durch, um den Kontext zu erfassen. Fragen Sie sich, wer der Absender ist, wer die Zielgruppe bildet und was das Skript bei diesem Zuhörer bewirken soll. Handelt es sich um ein Anleitungsvideo für Techniker oder um eine beruhigende Botschaft eines Krankenhauses? Erst wenn Sie wissen, warum dieser Text geschrieben wurde, finden Sie die richtige Haltung.
Tipp für diesen Schritt: Lesen Sie den Text das allererste Mal still für sich durch, ohne bereits auf Sprechrhythmus oder Klang zu achten.
Anschließend die Kernbotschaft und den Fokus bestimmen
Wenn Sie den Kontext kennen, suchen Sie nach dem Kern jedes Satzteils. Im Voice-over Traject unserer Kursreihe behandeln wir dies speziell in der Lektion Schlagwörter & Fokus. Nachwuchssprecher legen oft auf jedes Substantiv gleich viel Wert, wodurch ein Text schwer und ermüdend wirkt.
Finden Sie heraus, welches Wort im Satz die neue Information enthält. Das ist das Wort, das eine leichte Betonung verdient. Alles, was eine Wiederholung ist oder lediglich als Brücke dient, dürfen Sie schneller und leichter aussprechen. Das leitende Prinzip hierbei ist einfach: Bedeutung zuerst. Wenn die Bedeutung stimmt, folgt Ihre Intonation von selbst.
Tipp für diesen Schritt: Unterstreichen Sie in jedem Absatz maximal zwei oder drei Wörter, die wirklich den Unterschied machen.
Danach an Atempausen und Phrasierung arbeiten
Ein Text, der sich auf Papier gut liest, stockt oft, wenn Sie ihn laut aussprechen. Das liegt daran, dass Schriftsprache andere Satzstrukturen verwendet als gesprochene Sprache. Bestimmen Sie im Voraus, wo Sie atmen, damit Sie nicht mitten in einem Gedanken nach Luft schnappen müssen.
Teilen Sie lange Sätze in logische Gedankeneinheiten auf. Geben Sie sich die Zeit, einen Punkt zu setzen und den Satz wirken zu lassen, bevor Sie zum nächsten Absatz übergehen. Wer Ruhe einbaut, erzwingt von selbst Aufmerksamkeit.
Tipp für diesen Schritt: Setzen Sie mit einem Schrägstrich ein Zeichen an Stellen, an denen Sie bewusst eine Sekunde Stille bewahren.
Dann den Text laut in eigenen Worten testen
Kürzlich bemerkte ich im Studio, wie ein Kursteilnehmer immer wieder über einen holprigen Absatz in einem Unternehmensfilm stolperte. Wir drehten das Mikrofon ab und ich fragte: Erklären Sie mir doch jetzt einmal in zwei Sätzen, was hier steht, so wie Sie es einem Kollegen an der Kaffeemaschine erzählen würden. Innerhalb von zehn Sekunden sprach er klar, menschlich und voller Überzeugung. Als er danach das Skript mit demselben Sprechreflex wieder zur Hand nahm, gelang die Aufnahme in einem Take.
Wenn sich ein Satz in Ihrem Mund unnatürlich anfühlt, legen Sie das Blatt für einen Moment beiseite. Erzählen Sie die Botschaft laut in Ihrer eigenen Umgangssprache. Nehmen Sie danach das Skript wieder zur Hand und bewahren Sie dasselbe Gefühl des direkten Kontakts.
Tipp für diesen Schritt: Nehmen Sie diese Probe einmal mit Ihrem Smartphone auf und hören Sie nur auf die Natürlichkeit, nicht auf die Aufnahmequalität.
Zum Schluss die praktische Checkliste für Ihre Aufnahme
Gehen Sie diese festen Schritte durch, kurz bevor Ihr Mikrofon eingeschaltet wird:
- Kennzeichnen Sie schwierige Wörter und Eigennamen und überprüfen Sie die Aussprache im Voraus.
- Markieren Sie die wichtigsten Schlüsselwörter pro Absatz.
- Bestimmen Sie, wo Ihre Ruhepausen und Atemzüge liegen.
- Sprechen Sie den ersten Absatz einmal laut im Raum ohne Kopfhörer.Tipp für diesen Schritt: Achten Sie darauf, dass Ihr Text auf Augenhöhe platziert ist, damit Ihr Hals und Brustkorb beim Sprechen vollständig frei bleiben.